1. Zum Inhalt springen
  2. Zur Hauptnavigation springen
  3. Zu weiteren Angeboten der DW springen

Reisen: Welche Rolle spielt die Steuer beim Flug?

Holly Young
18. Januar 2024

Mit dem Flugzeug lässt es sich oft viel günstiger reisen als mit dem Auto, dem Schiff oder der Bahn. Dabei spielen Steuern eine entscheidende Rolle.

https://p.dw.com/p/4bG17
Flugzeug mit Kondenzstreifen am Himmel
Bild: Douglas E. Walker/Design Pics/picture alliance

Wir zahlen die Treibstoffsteuer, wenn wir mit der Bahn, dem Schiff oder dem Bus fahren, aber nicht, wenn wir von einem Land zum anderen mit dem Flugzeug fliegen. Im Gegensatz zum Transportwesen auf der Straße oder der Schiene hat die Luftfahrtindustrie bisher kaum Steuern auf Treibstoff gezahlt.

Da Fliegen die Art des Transports ist, bei der die meisten Treibhausgase freigesetzt werden, mahnen Umweltorganisationen, es sei höchste Zeit, die Treibstoffsteuer im Flugverkehr einzuführen.

Was genau ist eine Treibstoffsteuer und wie funktioniert sie?

Dabei handelt es sich um eine Steuer, die der Staat beim Verkauf von Kraftstoffen wie Benzin oder Diesel erhebt. Der Steuersatz ist von Staat zu Staat unterschiedlich. 

Autofahrer zahlen schon einen Teil der Steuer, wenn sie tanken - in der EU beträgt die Steuer pro Liter Diesel durchschnittlich 0,43 Euro. Zum Vergleich: In den USA beträgt die Steuer auf eine Gallone Diesel (3,79 Liter) umgerechnet durchschnittlich etwa 0,55 Euro.

Die Einnahmen aus dieser Abgabe können theoretisch in die Infrastruktur für Straßen oder den Zugverkehr oder auch in umweltfreundlichere öffentliche Verkehrsmittel investiert werden. Ob dies tatsächlich geschieht, ist unterschiedlich.

Im Gegensatz zu den Kraftstoffen, die auf der Straße oder der Schiene verwendet werden, ist Kerosin für den Antrieb von Flugzeugen weltweit auf allen internationalen Flügen von Steuern befreit.

Dieses Privileg geht auf das Chicagoer Abkommen zurück. Dieses internationale UN-Abkommen wurde im Jahr 1944 beschlossen, um die damals noch junge Luftfahrtindustrie vor einer möglichen Doppelbelastung zu schützen.

Deswegen verbietet es, das Kerosin zu besteuern, was sich bei der Landung eines Flugzeugs schon an Bord befindet.

In vielen Fällen bedeutet dies, dass der Treibstoff für Flugzeuge überhaupt nicht besteuert wird. So verbietet die Europäische Union beispielsweise die Besteuerung von Flugbenzin auf internationalen Flügen, die aus ihren Mitgliedsländern starten. Obwohl die EU die Besteuerung von Inlandsflügen erlaubt, hat sich bisher kein Mitgliedstaat dazu verpflichtet. 

Im vergangenen Jahr wurde der Vorschlag für eine Kerosinsteuer auf Inlandsflüge in Deutschland von der Luftfahrtindustrie scharf kritisiert und rasch durch eine höhere Ticketsteuer ersetzt. 

Welche Auswirkungen hätte eine Besteuerung des Flugverkehrs?

Da die Luftfahrtindustrie jährlich für etwa 2 Prozent der weltweiten energiebezogenen Treibhausgasemissionen verantwortlich ist, würde weniger Flugverkehr dazu beitragen, den globalen Temperaturanstieg zu bremsen, der den Klimawandel verursacht. Derzeit wird jedoch ein Anstieg der weltweiten Nachfrage nach Flügen vorhergesagt. Laut Schätzungen könnten sich die Emissionen infolgedessen bis 2050 verdreifachen.

Eine Flugbenzinsteuer, so die Befürworter, könnte daher genau das Richtige sein, um uns zum Nachdenken anzuregen, wie und wie oft wir reisen. Die Befürworter argumentieren außerdem, dass eine Flugbenzinsteuer auch enorme Einnahmen bringen würde, die für die Dekarbonisierung der Wirtschaft verwendet werden könnten. 

Eine Treibstoffsteuer, die die Ticketpreise für Vielflieger erhöht, würde auch bedeuten, dass diejenigen, die die Umwelt auf diese Weise verschmutzen, die Rechnung für die durch sie verursachten Umweltauswirkungen bezahlen müssten. Denn Fakt ist: Nur ein Prozent der Weltbevölkerung ist für mehr als die Hälfte der Emissionen im Luftverkehr verantwortlich.

Wie wahrscheinlich ist die Einführung einer solchen Steuer?

Ohne eine Kerosinsteuer, die den Preis für Flugtickets erhöhen würde, würden der Luftverkehr und die damit verbundenen Treibhausgasemissionen weiter zunehmen, argumentieren Umweltorganisationen. Außerdem gibt es für die Branche kaum Anreize, in Technologien wie saubere Kraftstoffe oder emissionsfreie Flugzeuge zu investieren.

Es gibt jedoch Anzeichen dafür, dass die Forderungen nach einer Besteuerung von Flugkraftstoff lauter werden. Die demokratischen US-Politiker Senator Edward Markey und die Kongressabgeordnete Nydia Velazquez haben einen Gesetzentwurf zur Erhöhung der Treibstoffsteuern auf Privatjets vorgelegt. Bei Reisen in Privatjets werden pro Passagier bis zu 14-mal mehr Schadstoffe ausgestoßen als bei kommerziellen Flügen. Und in Europa hat EU-Klimakommissar Wopke Hoekstra eine globale Steuer auf Kerosin vorgeschlagen.

Dieser Artikel wurde aus dem Englischen adaptiert von Jeannette Cwienk.